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Eine Prothese mit Gedanken steuern

Andreas Winklmann hat einen neuen Arm bekommen

Manfred Stangl, Sanitätshaus Zimmermann, Andreas Winklmann, TMR, myoelektrische ArmprotheseFoto: Andreas Winklmann und Manfred Stangl trainieren an den Einstellungen der Armprothese.

 

Greifen, Halten, Heben ist eine Selbstverständlichkeit im Alltag. Nach dem Verlust seines Armes bei einem Unfall hat Herr Winklmann nur noch einen Arm, um diese Tätigkeiten ausführen zu können. Nachdem er mehrmals operiert wurde, konnte ihm eine myoelektrische Armprothese angepasst werden, die er mit seinen Gedanken steuern kann. Orthopädietechniker-Meister Manfred Stangl und Physiotherapeutin Mirjam Zötzl vom Zimmermann Sanitäts- und Orthopädiehaus haben ihn auf diesem Weg begleitet.

 

Die Versorgung mit einer Armprothese ist immer unterschiedlich, individuelle Gegebenheiten und Wünsche müssen von Orthopädietechnikern beim Bau berücksichtigt werden. Bei der Herstellung einer myoelektrischen Armprothese müssen außerdem einige Voraussetzungen gegeben sein und der Prozess bis zum finalen Ergebnis kann mehrere Jahre dauern. Zur Anpassung der Prothese sind Nerven- und Muskelgewebe am Stumpf nötig, Andreas Winklmanns Arm war nach dem Unfall bis zum Oberarm abgetrennt und zerstört worden. Durch mehrfache Operationen am Hochschulzentrum für Plastische und Ästhetische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie in Regensburg konnte die Schulter bis zum Oberarm rekonstruiert werden und Nervenbahnen mit Muskeln verknüpft werden, dies nennt man Targeted Muscle Reinnervation (TMR). Die Nervenbahnen sind entscheidend für die Funktion der Prothese, diese wird nämlich mit Hilfe von elektrischen Signalen gesteuert. Sobald ein Muskel angespannt wird, ist eine elektrische Spannung mit den Myoelektroden messbar, diese sind in den Prothesenschaft integriert. Die Spannung wird in der Elektrode zu einem elektrischen Signal umgewandelt und an den Motor weitergeleitet der die Bewegung der Prothese ausführt.

Manfred Stangl, Zimmermann, Thiha Aung, Andreas Winklmann, Prof. Dr. Dr. Lukas Prantl
 
 
 
 
 
 
 
 
Foto: Orthopädietechniker-Meister Manfred Stangl, Assistenzarzt Thiha Aung, Andreas Winklmann und behandelnder Arzt Prof. Dr. Dr. Lukas Prantl vom UKR

Viele Stunden Training sind notwendig

Bis Herr Winklmann seinen neuen Arm überhaupt nutzen konnte waren etwa 80 Treffen mit dem Orthopädietechniker-Meister Manfred Stangl und der Physiotherapeutin Mirjam Zötzl notwendig. Nachdem eine medizinische Untersuchung stattgefunden hat und die Entscheidung für eine Versorgung mit einer myoelektrischen Armprothese getroffen wurde begann das Training. Zuerst mussten optimale physische Voraussetzungen geschaffen werden, deshalb wird der Stumpf zur Desensibilisierung stimuliert, so wurde er weniger empfindlich. Im nächsten Schritt wurden Elektroden aufgelegt, um Nerven zu suchen, die der Patient mit möglichst hoher elektrischer Leitfähigkeit ansteuern konnte. War der Punkt gefunden, musste die Bewegung herausgefunden werden, die er damit ausführen kann, zum Beispiel die Hand öffnen oder das Handgelenk drehen. „Die Anstrengungen waren nicht nur körperlich, sondern auch mental belastend, aber die Mühen haben sich gelohnt“, sagt Winklmann. Er hat viel Zeit vor dem Spiegel verbracht und geübt mit seiner gesunden Hand auch den verlorenen Arm anzuregen. „Wir sind zufrieden mit dem Ergebnis das wir bis jetzt erreicht haben“, stellen Winklmann und Zötzl fest. „Trotzdem muss Hr. Winklmann weiterüben, um die Funktionen für den Alltag zu optimieren. Es werden auch noch Kontrolltermine in größeren Abständen stattfinden, da eine Veränderung des Gewebes möglich ist und Anpassungen gemacht werden müssen“, ergänzt Zötzl.

 Andreas Winklmann und Menfred Stangl, Orthopädietechniker Meister, Sanitätshaus Zimmermann, Regensburg, Straubing

 

 

 

 

 

Foto: Andreas Winklmann und Manfred Stangl haben sich über 80 mal getroffen bis die Prothese fertig war

 

Die Herstellung der myoelektrischen Armprothese

Während des andauernden Trainings zur Steuerung der Prothese wurde parallel der Schaft angepasst. Dieser ist der Grundbaustein für eine funktionierende myoelektrische Prothese. Die individuellen Gegebenheiten müssen berücksichtigt werden, Knochenvorsprünge und Narben sollen geschont werden und die Elektroden müssen an den passenden Punkten platziert werden. Hierbei waren Präzision und handwerkliches Geschick des Orthopädietechniker-Meisters Manfred Stangl gefragt. „Für den optimalen Sitz der myoelektrischen Prothese war der Austausch zwischen den Ärzten des UKR und dem Team Zimmermann sehr wichtig. Wir haben uns oft besprochen, um die optimalen Auflagepunkte für die Elektroden zu finden“, sagt Stangl. Jetzt kann Winklmann über vier Sensoren sechs verschiedene Bewegungen ausführen. Diese sind Ellenbogen strecken und beugen, Handgelenk nach innen und nach außen drehen, sowie Hand öffnen und schließen. Schon jetzt kann Herr Winklmann mehrere Funktionen gleichzeitig ausführen. Greifen, Halten und Heben mit beiden Armen seien mit der Prothese wieder möglich und auch die Schmerzen würden durch den neuen Arm gelindert: „Die Prothese gibt meinem Körper das Gefühl, dass er noch zwei Arme hat, dadurch werden die Phantomschmerzen geringer“, sagt Winklmann. Nicht nur an Funktionalität hat Hr. Winklmann durch den Dynamic Arm plus gewonnen, sondern auch die Ästhetik wurde von Stangl nach individuellem Wunsch angepasst, so ziert den Prothesenschaft das Logo des FC Bayern München.

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 Foto: Der neue Arm für Herrn Winklmann mit individualisiertem Design in FC Bayern München Optik.

Facts zum Dynamic Arm plus von ottobock:

  • Intuitive Steuerung
  • Mehrere Bewegungen gleichzeitig möglich
  • Bis zu sechs Funktionen
  • Aktives Heben bis zu 6 kg
  • Vereinigung von Funktionalität und Ästhetik
  • Bestandteile: Silikon-Innen-Schaft, Carbon-Außen-Schaft, Myo- Hand Variplus- Speed, Elektrodreheinsatz, Kosmetik-Handschuh, Oberflächen-Elektroden

 

Bilder: Pressestelle Universitätsklinikum Regensburg, Sanitätshaus Zimmermann

Mehr zu der medizinischen Behandlung finden Sie im Pressebericht des UKR

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