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Unterwegs mit Rollstuhl und Hunderudel

Alois Bernecker zeigt, warum ein Rollstuhl seine Lebensqualität verbessert

Ein Rollstuhl ermöglicht es Teil der Gesellschaft zu bleiben, wie Alois Bernecker beweist. Er ist fast täglich mit seinem Elektrorollstuhl und einem ganzen Rudel an Hunden am Straubinger Stadtplatz unterwegs und zieht die neugierigen Blicke der Passanten auf sich.

 

Fast jeden Morgen dreht Alois Bernecker mit bis zu acht Hunden seine Runde über den Stadtplatz in Straubing und begrüßt an jeder Ecke bekannte Gesichter. Dazu hat er immer einen flotten Spruch auf den Lippen. „Ich lebe jeden Tag wie ein Hundeleben, nämlich im hier und jetzt. Man muss jeden Moment genießen und Spaß dabei haben“. Mit dieser Lebenseinstellung hat es Bernecker auch geschafft trotz Einschränkungen weiter aktiv im Leben zu stehen.

 

Seit einem Schlaganfall 2013 ist Bernecker mit dem Rollstuhl unterwegs und musste erfahren, wie es ist, wenn man auf fremde Hilfe angewiesen ist. „Ohne Rollstuhl wäre ich in meiner Wohnung gefangen und jederzeit auf Unterstützung angewiesen“, sagt Bernecker. Keine Gesellschaft und Interaktion, sondern Verfall in Selbstmitleid wäre die Folge. Für Bernecker ist die Teilhabe am Stadtplatztrubel keine Selbstverständlichkeit mehr. „Schon kleine Hindernisse können oft zu einer großen Herausforderung werden, deshalb bin ich überglücklich mit meinem Rollstuhl“, sagt er. Mit ihm seien längere Strecken ohne Begleitung möglich und das verschaffe ihm Freiraum und Selbstbestimmtheit.

 

Zu seiner Lebensaufgabe, den Hunden, kam er erst zufällig über eine Anfrage eines Freundes. „Es ist wichtig, dass man eine Aufgabe im Leben hat“, sagt er. Gleich am nächsten Tag hat er mit dem Training begonnen. Wie so vieles im Leben nahm diese eine Anfrage ihren Lauf. „Es spricht sich natürlich rum und so bekam ich immer mehr Anfragen, ob ich einen Hund unter meine Fittiche nehmen könnte“, erzählt Bernecker. Mittlerweile ist er mit bis zu acht Vierbeinern unterwegs. Jeder hört auf seinen speziellen Namen, denn Bernecker verpasst jedem seinen eigenen Spitznamen. Nora, Liesl, Erna oder andere einfache, kurze und bestenfalls bayerische Namen. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht die Hunde zu trainieren und sie folgen ihm brav und aufmerksam durch die Gassen und Straßen von Straubing. „Dabei brauche ich gar nicht viel zu sprechen, schon ein Blick oder ein Räuspern reichen aus, um den Hunden zu signalisieren, was ich von ihnen möchte“, erklärt Bernecker. Ruhig und aufmerksam folgen Sie dem Rollstuhlfahrer durch die engsten Passagen. Dabei haben sie ihre Rituale. Beim Spaziergang geht’s jedes Mal beim Metzger vorbei, da wird eine Leberkässemmel gekauft und gemeinschaftlich geteilt und zum Abschluss gibt’s noch einen Espresso im Café.

 

Alle, die das einmalige Bild erblicken, das Bernecker und die Hunde zusammen ergeben, schauen ihnen nach oder sprechen ihn auf seine Begleitungen an. „Heute sind nur drei dabei“ oder „die gehen aber brav mit“ hört man die Passanten am Stadtplatz tuscheln. Bernecker selbst genießt es Teil des Geschehens zu sein. Ihm ist wichtig anderen mit auf den Weg zu geben: „Das Leben ist das, was man daraus macht.“

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